Archiv für den Monat März 2013

Erfindung des Tages: Die Kassenzettelkette

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Wohin mit Kassenzetteln?

Wenn es um die geht, die man wegen Garantien aufheben muss, habe ich ein klares System: In den Ordner mit den Bedienungsanleitungen, eine Folie für Zettel und Anleitung, Gegenstände nach Alphabet sortiert.

Die Kassenzettel von Barzahlungen ohne Garantierelevantes werden gleich durchgesehen, ob sie korrekt sind, dann entsorgt.

Die EC-Quittungen lasse ich im Geldbeutel und überprüfe 1x die Woche das Konto, ob alle Abbuchungen korrekt sind, anschließend Entsorgung.

Bleiben die Visa-Quittungen. Die Kreditkartenabrechnungen kontrolliert mein Mann. Da diese monatlich erfolgt, laufen doch mal einige Zettel an, nur wo und vor allem wie lagern? Bisher hatte ich eine alte Teebeutelpackung dafür, was mich aber nicht befriedigte. Irgendwie gerieten die dann doch in Vergessenheit, weil mein Mann meist nur die Beträge und Zahlungsorte überfliegt und mich nur konsultiert, wenn ich eine Zahlung nicht erwähnt habe, er sich selbst nicht mehr erinnern kann oder der Betrag nicht den Erwartungen entspricht. Es quoll das Schächtelchen also immer wieder über und die Zettel gerieten durcheinander. Die meisten hatten sich lange erledigt, doch die Hürde zum Wegwerfen war immer groß, weil ja alle nochmal zumindest nach Datum kontrolliert werden müssten, damit nicht aus Versehen ein aktueller Bon in der Papiertonne landet.

So und nun zu meiner Erfindung. Man nehme:

  • Ein Stück Häkelgarn
  • Eine dicke Stopfnadel
  • Die ausgediente Klammer einer Schnullerkette

Die Quittungen werden nun einfach wie sie kommen aufgefädelt und die ältesten lassen sich am anderen Ende in regelmäßigen Abständen abziehen und entsorgen, ganz ohne umständliches Lösen eines Knotens. Die Konstruktion hängt nun an der Pinnwand.

 

 

Sich auf’s nach Hause Kommen freuen

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Mir ist es wichtig, das mein Haus ein Ort ist, an dem ich mich rundum wohl fühle. Das bedeutet, dass ich mich, egal was vorher war, spätestens mit Betreten des Hauses entspannen möchte.

Um dies zu ermöglichen helfen mir ein paar Dinge:

  • Aufräumen vor dem Verlassen: Dieser Punkt fällt manchmal sehr schwer. Morgens bin ich quasi immer unter Druck. Die Kinder müssen ständig angetrieben werden, egal wie früh man sie aus dem Bett wirft, auch wenn man abends Kleidung und Taschen zurecht legt, bleibt immer noch das Frühstücken und das Herstellen der Pausenbrote, das Anziehen und Zähneputzen, das erledigt oder zumindest beaufsichtigt werden muss. Trotzdem versuche ich immer darauf zu achten, dass der Tisch abgeräumt ist, die schlimmsten Krümel beseitigt sind, die Betten gemacht sind.
  • Eingangsbereich klar gestalten: Tür auf – und das Chaos hat einen. Nein, das will ich absolut nicht! Erst vorgestern habe ich entnervt eine Hakenleiste angebracht, damit die Kinder ihre Jacken nun selbst aufhängen können. Die Garderobenhaken waren nämlich zu hoch für sie und sie warfen ihre Jacken immer auf die Ablage und spätestens die dritte brachte dann den ganzen Haufen zum Absturz und die Jacken lagen auf dem Boden.
  • Etwas bereit legen, das das ankommen versüßt: Die Kaffeetasche bereit stellen, den Kindern ein Paar schöne Äpfel zurecht legen oder an Tagen mit knappem Zeitfenster den Tisch schon für das Mittagessen decken, dann ist man der Entspannung wieder etwas näher.

Vor allem wenn ich das Haus für länger verlasse, also wenn wir z.B. über das Wochenende wegfahren oder gar mal Urlaub machen, bin ich noch strenger mit mir. Ich versuche die Wäsche zu erledigen, auf jeden Fall den Müll wegzubringen, alles noch mal zu saugen, Bad und Toilette zu säubern, so dass auf keinen Fall ein Berg Arbeit auf mich wartet, wenn ich nach Hause komme. Auch das stresst manchmal ganz schön, aber die Entspannung wenn man dann erst mal unterwegs ist, und besonders bei der Rückkehr, sind es mir wert, es immer so weit als möglich zu versuchen.

Freie Oberflächen

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Vor kurzem haben wir die Fotos vom ersten halben Jahr unseres Sohnes ausgegraben. Wir waren fasziniert, wie sehr sich ein Mensch in den ersten Wochen verändert, wie nach und nach immer mehr von seiner Persönlichkeit in seinem Gesicht zu lesen ist, dass ein Kind mal mehr dem Vater, mal mehr der Mutter und wieder etwas später fast genau wie die kleine Schwester jetzt ausgesehen hat.

Aber das waren für dieses Mal nicht die erstaunlichsten Erkenntnisse. Unser Blick blieb ganz oft am Hintergrund der Szenen hängen: unserer Wohnung von vor sieben Jahren. Wir konnten es nicht fassen, wie vollgestellt Esstisch, Couchtisch, Fensterbretter, Küchenzeile waren.

Damals wohnten wir zusammen mit vielen Kollegen auf dem Gelände, dass auch unsere Arbeitsstelle beherbergte. Häufig geschah es, dass Kollegen oder auch Schüler nur auf einen Sprung vorbeikamen, etwas abzuholen, zu bringen oder etwas zu fragen. Die Wohnung war so angelegt, dass man mit Öffnen der Tür mitten in der Wohnküche stand. Jedem Besucher eröffnete sich somit auch immer ein Blick mitten in unser Familienleben. Das störte mich immer mehr. Ich wollte nicht, dass andere unser Chaos miterlebten. Wir hatten z.B. die Flaschen unserer Hausbar oben auf den Hängeschränken der Küche deponiert. Fast jeder Besucher begann irgendwann über unseren Alkoholkonsum zu spekulieren, da sich im Laufe der Jahre ziemlich viele Flaschen angesammelt hatten. Aber ich wurde es müde, stets aufs Neue darauf hin zu weisen, dass die meisten Flaschen bis auf wenige ml fast voll waren.

Und eines Tages stolperte ich dann über die Simplify-Regel der freien Oberflächen. Zuerst fiel es mir schwer immer alles in Schränke oder Kisten zu verstauen. Warum sollte der Salzstreuer nach jeden Essen wieder zurück in die Schublade, wenn er beim nächsten doch bestimmt wieder zum Einsatz käme? Aber ich probierte es aus. Die Flaschen bekamen ein Depot in der Abstellkammer, die Gewürze, die vorher auf einem Rondell auf dem Esstisch standen, bekamen eine Schublade zugewiesen, die Fensterbretter wurden zur ablagefreien Zone erklärt, der Küchenblock war nur noch dauerhafter Standort einer einzelnen Orchidee (die später auch noch umquartiert wurde). Und siehe da – ich begann mich damit richtig wohl zu fühlen. Kam jetzt ein (unangemeldeter) Besucher, konnte er zwar unsere Einrichtung sehen und eventuell Kinderspielzeug, aber mehr auch nicht. Keine Post, keine Lebensmittel, nichts was Anlass zu irgendwelchen Spekulationen bieten könnte.

Gott Lob konnten wir dem „Marsprojekt“ wie ich es irgendwann zu nennen pflegte entfliehen. Man hatte ja vor einiger Zeit in einer Biosphäre die psychischen Auswirkungen einer Langzeitmission, wie sie ein Flug zum Mars darstellen würde, getestet. Mir kam das Leben und Arbeiten an ein und dem selben Ort mit ständig den gleichen Leuten immer mehr vor wie solch eine Marsmission (mit all ihren pathologischen Auswirkungen). Doch nun sind wir wieder auf der Erde zurück. Unser Haus hat zwar eine Wohnküche, aber einen ordentlichen Windfang und der Briefträger sieht nur die Garderobe und nichts weiter, wenn er ein Päckchen bringt. Wir könnten also durchaus ein bisschen Chaos veranstalten und müssten nicht ständig fürchten, dass man sich das Maul darüber zerreißen würde.

Aber die freien Oberflächen sind geblieben. Ich liebe es, wenn der Esstisch blank ist und ich alle Fenster jeder Zeit weit öffnen kann. Eine freie Arbeitsplatte ist auch immer sofort sauber gewischt und auf ein leeres Sofa kann ich mich immer einfach fallen lassen.

Erziehung braucht Liebe und Zeit

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Ich bin mit drei wunderbaren Kindern gesegnet. Und meine Midi ist zudem mit einem feurigen Temperament ausgestattet. Sie fordert meine erzieherischen Fähigkeiten stets aufs neue heraus.

Sie dreht aus nichtigen Anlässen manchmal völlig durch. Sie schreit und brüllt dann so sehr, dass sich Mini schon mal aus lauter Schreck versteckt und mir die Ohren klingeln.

Das einzige was zuverlässig hilft: Sie so lange toben lassen, bis sie sich in den Arm nehmen lässt. Ich sage ihr, dass ich sie liebe und frage das zornende Kind immer wieder, ob ich näher kommen darf und irgendwann bricht der Damm. Dann weint Midi sich in meinen Armen aus. Schließlich versiegen die Tränen und sie reflektiert ganz von selbst ihr Verhalten, erklärt mir endlich warum sie ausgeflippt ist.

Aber es ist gar nicht so leicht, den Lärm auszuhalten und geduldig zu sein. Vor allem unter Termindruck habe ich manchmal das Gefühl, dass es mich innerlich zerreißt. Und so manches Mal reißt er dann tatsächlich der berüchtigte Geduldsfaden. Allerdings tut es mir natürlich sofort leid. Laut werden nützt so gut wie gar nichts. Und so wird dann auch eine Entschuldigung fällig, wenn ich mich nicht im Griff hatte.

Was sehr oft hilft, ist sich in der angespannten Situation noch einmal bewusst zu machen, wen man da vor sich hat. Es ist das Kind, das man über alles liebt, das man fit machen möchte für das Leben. Um das zu erreichen muss man sich (Durchatmen, Nachdenken) und dem Kind Zeit geben, immer wieder aufs Neue.

 

Schritt für Schritt

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Der vorherige Artikel war ein Plädoyer für die vielen kleinen Routinen. Aber es war auch die Rede davon, dass diese in Ausnahmesituationen einfach nicht mehr funktionieren.

Und da ist er dann, der große Berg: Geschirr, Wäsche, Kinderspielzeug…Aber wie bekommt man ihn wieder klein? Denn es ist ja nicht so, dass z.B. nach einer Krankheit einfach zwei freie Tage auftauchen, alles Liegengebliebene zu erledigen. Nein, den üblichen randvollen Tagen muss man auch noch die Kapazitäten abringen, die Altlasten zu bearbeiten.

In dem Fall fällt mir stets meine Lieblingsfigur aus Michael Endes „Momo“ ein: Beppo Straßenkehrer! Er denkt immer nur an den nächsten Schritt, an den nächsten Besenstrich. Und genau das tue ich dann auch. Ich fange einfach an (!) und dann geht es mit einer Sache los: Mit dem ersten Topf, der ersten Maschine Wäsche. Natürlich werde ich ständig unterbrochen, von Kindern, vom Telefon, dann muss ich zuerst Essen machen usw., aber einen kleinen Teil schaffe ich doch. Und schon ist der Berg etwas kleiner.