Aufschieberitis

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Eigentlich bin ich gar nicht so der Typ Mensch der alles immer auf die lange Bank schiebt, denn Unangenehmes nicht gleich zu erledigen, ändert weder an der Tatsache etwas, dass die Aufgabe kein Vergnügen bereitet, noch daran, dass sie grundsätzlich erledigt werden muss.

Trotzdem geschieht es von Zeit zu Zeit, dass Projekte bzw. deren Teilaufgaben auf ungewisse Zeit verschoben werden. Das liegt manchmal schon alleine an der Komplexität der Aufgabe. Eine so einfach Sache, wie einen Fußboden zu verlegen umfasst unzählige Einzelschritte: Die Entscheidung für das Material, das Bestellen und Abholen der Materialien, die Vorbereitung des Untergrunds, das Verlegen selbst (und hierbei die Terminabsprache mit demjenigen, der einem zeigt, wie das geht), das Anbringen von Abschluss- und Sockelleisten sowie das Verfugen an Türschwellen und Zargen. Beauftrage ich einen Handwerker, so kann er sich während seiner Arbeitszeit ausschließlich diesem Projekt widmen und so ein Stockwerk ist binnen einer Woche komplett fertig. Aber ich musste mir die Zeit für jeden Schritt aus meinem Alltag absparen. War es mir gelungen, den eigentlichen Boden in den acht Wochen zwischen der Schlüsselübergabe und dem Umzug zu erledigen, so waren die Leisten erst über zwei Monate nach dem Einzug an Ort und Stelle. Ja und die Fugen – ich gestehe, das habe ich tatsächlich immer wieder verschoben, weil mir das Arbeiten mit der klebrigen Masse so unangenehm erschien (zumal Kinder ja ständig etwas von einem wollen, egal ob man gerade pappige Finger hat oder nicht), aber auch, weil ich wusste dafür brauche ich mit Abkleben und Aufräumen einen ganzen Tag – also die Fugen habe ich erst jetzt, nämlich fast neun Monate nach Bezug des neuen Domizils, verfüllt. Geschafft habe ich es jedoch auch nur, weil die Korrektur einer Klassenarbeit aufgeschoben habe.

Was mir nun auffällt, nachdem das gesamte Projekt endlich erledigt ist und die Diele auch sogar noch mit Rauchmelder und Lampenschirm ausgestattet wurde: Wie sehr es mich stets belastet hat, noch nicht fertig zu sein! Berührte es mich sonst quasi jedes Mal unangenehm, wenn ich das unfertige Geschoss betrat, so bin ich nun jedes Mal fast überrascht, dass sich mein schlechtes Gewissen nicht meldet und die Erleichterung ist unendlich.

Aufschieben kostet Kraft! Je länger es dauert, desto mehr und bald schon mehr als es Kraft kosten würde sich zu überwinden. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen mich noch mehr zusammen zu reißen und das Aufschieben weiter zu minimieren, Aufgaben immer absolut zeitnah zu bearbeiten.

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