Zwei Seiten der Medaille

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Der Trotz auf der einen ist der Ehrgeiz auf der anderen Seite. Zu dieser, zugegeben nicht neuen, Erkenntnis verhalf mir in den letzten Wochen meine mittlere Tochter.

Fast täglich komme ich an einen Punkt wo sie etwas möchte, was ich nicht gewähren kann oder will oder sie verweigert sich umgekehrt Dingen die ich verlange. Es bleibt leider nicht bei einfachen Unmutsäußerungen, sondern in der Regel geht es sehr lautstark und auch handgreiflich ab. Ich versuchen diesem Verhalten mit viel Geduld zu begegnen und warte in der Regel einfach ab, bis sich ihr Ausbruch legt oder sie gezielt nach mir verlangt. Aber es ist trotzdem unglaublich anstrengend.

So haben ich auch gelernt, dass es durchaus sinnvoller sein kann dem Willen eines Kindes nachzugeben auch wenn ich mir etwas ganz anders vorstelle (z.B. den langen Weg nach Hause zu gehen statt den kurzen). Viel schlechte Stimmung lässt sich dadurch vermeiden ohne dass weiterer Schaden entsteht. Aber selbstverständlich gibt es auch Punkte da kann und darf ich als Mutter nicht nachgeben.

Das Kind kann noch so sehr nicht in die Schule oder den Hort wollen, es muss einfach, weil Schulpflicht besteht und weil es keine andere Betreuungsmöglichkeit gibt wenn wir Eltern arbeiten. Ihre eigene Ohnmacht drückt unsere Midi dabei dann aber stets (mir/uns gegenüber) lautstark aus.

Ein klassisches Beispiel war das Schwimmenlernen. Für uns stand fest, sie muss es lernen und zwar bald, damit sie sobald sie in der Schule Schwimmen bekommt fit ist. Dieser Tatsache stimmte Midi auch einsichtig zu. Eigentlich wollten wir sie in einen Kurs geben, aber Midi weigerte sich lautstark sich auch nur anmelden zu lassen. Sie hatte Angst vor den fremden Kindern und den Lehrern.

Die Alternative war nun, dass ich – eine passionierte Schwimmerin – es ihr beibringen sollte. Doch schon als ich die Schwimmflügel durch einen Bauchgurt ersetzen wollte gab es den ersten Temperamentsausbruch.

Anders als sonst hielt der aber nicht lange an. Und obwohl ich manch strafenden Blick einer anderen Mutter ertragen musste und mehrmals von den Bademeisterinnen angesprochen wurde ob des weinenden und schreienden Kindes bei jedem neuen Schritt den ich ihr zumutete, hielt ich durch und Midi ünerwandt sich jedes Mal (oft wenn ich absichtlich wegguckte). War am Beginn des vierten Nachmittags ein Sprung ins Wasser noch undenkbar, so machte sie doch noch am gleichen Tag ihr Seepferdchen. Sie wollte es einfach und schaffte es ihr Temperament immer wieder zu zügeln.

Als Mutter, die die Zukunft ihres Kindes im Blick hat, war diese Erfahrung wunderbar. Wenn das Kind etwas will, dann tut es auch was dafür, gegen Ängste und Wiederstände. Ich denke, ich werde noch viele sehr anstrengende Augenblicke mit Midi haben, aber letztlich wird sie ihr Leben gut in die Hand nehmen. Davon hat sie mich überzeugt.

 

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