Archiv für den Monat März 2015

Hut ab!

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Eigentlich wollte ich mich an dieser Stelle mal über das „Aqua-Geschwader“ auslassen. Was das sein soll? das sind die Damen und Herren Aquajogger, die grundsätzlich in einer einzigen Kampflinie durchs Hallenbad pflügen, während sich die Sportschwimmer, wenn sie Glück haben eine halbe Bahn an der Absperrung zum Tsunami-Schulschwimmen teilen. Was jetzt wieder das Tsunami-Schwimmen sein soll? Halbwüchsige können nicht einfach elegant ins Wasser springen und schnell ihre Bahn hinter sich bringen. Nein, das muss alles mit ganz viel Wellen verbunden sein. Wenn die Lehrer sie ließen würden die statt Freistil Arschbomben auf Zeit machen.

Aber ich lasse mich über beides nicht weiter aus. Nur so viel sei gesagt – Hund beim Laufen sind nicht so nervig.

Allerdings habe ich auch nichts über das Laufen zu berichten, dann das musste ausfallen. Statt dessen habe ich meinen Vater bei der Waldarbeit unterstütze. Wegen Windbruch mussten mindestens 10 Bäume gefällt werden. Anschließend wurden sie entastet, in meterlange Stücke gesägt, aus dem Waldgrundstück an den Forstweg gezogen, verladen und dann im Garten der Großmutter angesetzt. Ich muss zugegeben, ich dachte ja, ich hätte eine ganz gute Kondition, aber was ich geschnauft habe allein beim Hantieren mit der Motorsäge. Manche von den Meterstücken bekam ich kaum vom Fleck. Mein Vater, der mittlerweile auch nicht mehr sehr weit von den 60 entfernt ist, hat dermaßen geschuftet, dass mir einmal mehr die Spucke weggeblieben ist. Er arbeitet pro Woche durchaus 70 Stunden in der Klinik als Chirurg, fährt die 20 Kilometer dorthin jeden Tag mit dem Rad und zurück und an einem freien Tag macht er dann sowas. Er hat wirklich meine tiefste Bewunderung!

Ich habe 6 Stunden Waldarbeit so halbwegs überstanden. Einige dunkelblaue Flecken hab ich mir geholt, weil ich mich nicht immer ganz geschickt angestellt habe. Und vermutlich werde ich mich morgen wegen des Muskelkaters kaum mehr bewegen können, denn schon jetzt spüre ich jeden Knochen.

 
 
 

 

2015, 38 Läufe, 368,5 km, 19 km geschwommen

 

 

Ohne Plan geht es nicht

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Ich habe ja bereits geschrieben, dass ich aktuell wieder vermehrt selbst Musik mache, höre und schreibe. Trotzdem möchte ich drei Mal die Woche Laufen und mindestens einmal Schwimmen. Und dann sind da noch so ein Paar Kleinigkeiten, die sich Familie, Haushalt und Arbeit nennen.

Früher habe ich mir morgens einen Zettel geschrieben mit den wichtigsten Pflichten für den Tag. Es gab einen Zettel für die Einkäufe, einen Wochenplan für das Essen und dann natürlich die obligatorische Pinnwand mit Erinnerungen. An der Wand klebte ein Stundenplan von meinem Mann und mir.

Mittlerweile haben wir einen gemeinsamen Kalender auf dem iPhone. Eine Farbe für meinen Mann, eine für mich, eine für jedes Kind, eine für gemeinsame Familienaktivitäten und eine für das Essen, das täglich in der obersten Zeile als Ereignis auftaucht. Da wir nur ein Auto haben und die Kinder zu Geige, Gitarre, Orchester, Chor, Karate, Kinderturnen und Hockey gefahren werden müssen (per Pedes oder Rad leider wirklich nicht möglich) funktioniert so die Absprache quasi nebenbei. Ich gucke bei einem Zusatztermin einfach in den Kalender und weiß sofort, ob das Auto verfügbar ist oder ob mein Mann eine Fahrt für die Kinder übernehmen kann. Ich kann mir die terminliche Organisation fast nicht mehr anders vorstellen, zumal mein Mann und ich wirklich beide zuverlässig alles eintragen.

Ein weitere Abspracheerleichterung ist die App „Bring!“. Alles was für die Woche gebraucht wird, wird da eingetragen. Nach der Absprache des Essensplan für die Woche ist klar, was ich einkaufen muss und alles wird eingetragen. Zusätzlich trägt jeder sofort die Dinge ein, die zur Neige gehen: Letzte Saftpackung aus dem Keller geholt? – Eintrag! Die Gummibärchen schwinden? – Eintrag! Auch das klappt prima. Sehr selten wird dann mal was vergessen.

Und die dritte Alltagserleichterung ist die App „Things“. Das ist im Prinzip eine To-Do-Liste. Ich mache mir einfach eine Notiz, was ich heute oder am einem anderen Tag erledigen will. Zusätzlich kann ich wiederkehrende Ereignisse eingebe. Also z.B. montags, donnerstags und samstags „Laufen“, sonntags „Wasserkocher entkalken“, täglich „mit den Kindern üben“. Alternativ kann ich auch den Zeitraum angeben an dem ein Punkt nach Abhaken wieder auftaucht. Beispielsweise möchte ich den Keller jeweils etwa alle zwei Wochen mal grob saugen, also taucht der Termin zwei Wochen nach dem letzten Saugen wieder auf. Dann kann ich es gleich erledigen oder auch noch etwas schieben, wenn es gerade nicht passt. Mir hilft die App eindeutig nicht den Überblick zu verlieren. Das Haus ist immer in einem Zustand gewisser Sauberkeit, wobei ich an diesem Punkt zugeben muss, dass ich in Punkto Sauberkeit eindeutig Abstriche mache. Bei uns kann man in der Regel nicht vom Boden essen. Allerdings ist mir wichtig, dass es immer einigermaßen ordentlich ist und alles in regelmäßigen (eben längeren als vielleicht in anderen Familien) Abständen gereinigt wird. Natürlich könnte ich mir auch einfach merken, wann ich was erledigen will. Aber gerade bei den ungeliebten Sachen wie „Toiletten reinigen“ oder „Kinderfingernägel schneiden“ würde ich ohne meine App permanent schieben. Durch die App gebe ich meinem Schweinehund gewissermaßen permanent Tritte in den Allerwertesten. Und ganz ehrlich: Das Abhaken der Punkte tut gerade bei den ständig wiederkehrenden Pflichten einfach gut. Morgens sind es meist um die 20-30 Einzelpunkte. Abends hab ich bis auf fünf oder sechs alle abgearbeitet. Obwohl ich stets bemüht bin, meine Kinder dazu anzuhalten nicht so viel Dreck zu machen oder ihn zumindest selbst zu beseitigen, könnte man theoretisch zwei Mal täglich alles saugen. Aber das tue ich natürlich nicht, weil ich dazu einfach keine Zeit habe(n will). Also wird das Bad drei Mal pro Woche gesaugt, dann wird der Punkt abgehakt und vergessen bis die App mich wieder erinnert. Mir fällt es so leichter meine Ansprüche an den Haushalt klein zu halten. Ich bin keine „nur Hausfrau“ die sich eventuell hier Perfektionismus leisten kann. Ich kann und will das nicht. Durch meine Pläne, wann ich was erledige, verbiete ich dem Haushalt gewissermaßen mich permanent dazu aufzufordern. Krümel in der Brotbox? – die sind erst morgen dran! Ätsch!

Meine eigene Musik zu schreiben hat übrigens jetzt einen sich täglich wiederholenen Eintrag bekommen. Ich habe mal einen Artikel gelesen, in dem es um Tagesabläufe von erfolgreichen Künstlern ging. Oft war ein relativ kleines Zeitfenster der Kunst gewidmet, aber dies ganz regelmäßig. Beim Spielen eines Instruments ist die tägliche Praxis selbstverständlich. Ich denke beim erfolgreiche Komponieren auch. Und wenn ich nur einen Takt schreibe…

2015: 36 Läufe, 348,5 km, 17 km geschwommen – und dank meiner Futterstrategie (Trockenobst statt Schoki, Käse statt Chips) ein Kilo abgespeckt!

Auszeit und Inspirationen

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So, jetzt hat mich ein Schnupfen ereilt. Und weil ich gerade auch in einer recht kreativen Phase stecke, musste das Laufen diese Woche einmal ausfallen. Das Schwimmen fiel einer Prüfung zum Opfer, die ich beaufsichtigen musste.

Wenn ich nicht zahlreiche Verpflichtungen familiär und beruflich hätte, dann würde ich vermutlich nur noch zwischen Computer, Cello, Klavier – und Posaune hin und her pendeln. Denn nicht nur, dass ich meine „alten“ Instrumente, also die, die ich studiert habe, gerade wieder sehr zu schätzen weiß und Spaß am Üben habe, nein, seit einer Woche besitze ich auch noch eine Posaune.

Ursprünglich hatte ich vor, mir zu meinem 40. Geburtstag ein Instrument schenken zu lassen (oder es selbst zu tun). Mein Vater hat damals ein Tandem geschenkt bekommen und seither leidet er, wenn er mal einen Tag nicht Rad fahren darf. Deshalb erschien mir dieser Geburtstag ein reizvoller Zeitpunkt etwas neues anzufangen. Seit ich meinen Mann kenne finde ich Blechblasinstrumente äußerst faszinierend. Vorher waren meine Erfahrung mit dieser Instrumentenfamilie grob gesagt gruselig gewesen. Alles was ich an Blasmusik bis dahin gehört hatte, war einfach nur laut, falsch, unmusikalisch gewesen. Mein Mann – damals noch nicht mal Freund – schenkt mir dann eine CD des Ensembles German Brass und mir war eine neue Welt eröffnet. Allerdings hatte ich nicht den Mut selbst so etwa völlig neues anzufangen und nutzte im Studium erst einmal die Gelegenheit an der Querflöte fit zu werden. Da mich die Familie und das Fußfassen im Beruf jetzt mittlerweile seit zehn Jahren voll beschäftigt haben, blieb zwar immer der Wunsch ein Blechblasinstrument zu erlernen, aber ich schob das auf einen Zeitpunkt, wenn ich wieder mehr Zeit für mich haben würde. Der 40. Geburtstag erschien mir recht realistisch. Vor knapp drei Wochen war ich dann in einem Konzert des Jazzorchester meines Mannes (er ist Trompeter) und quasi spontan war der Entschluss da. Ich werde keine drei Jahre mehr warten. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Jetzt fange ich an. Mein Mann ist sofort aktiv geworden und kam letzten Donnerstag von seiner Probe mit einer – meiner! – Posaune zurück. Jetzt halte ich brav Töne aus und werde mir bald etwas Unterricht geben lassen. Ziel ist es, mit meinem Mann Duette für jeden Anlass auf Lager zu haben.

Neben dem neuen Instrument hat mich eine neue Freundschaft inspiriert. Tolle Gespräche bei Tee über Musik und die Welt und eine Fotosammlung haben einen kreativen Schub in mir ausgelöst. Ein Stück für Gitarre und Cello ist dabei heraus gekommen an dem nur noch etwas gefeilt werden muss.

Um ehrlich zu sein, wollte ich, seit ich ein Instrument spiele, immer selbst Musik schreiben und habe das auch in kleinem Rahmen immer wieder getan. Allerdings wollte ich nie für die Schublade produzieren, sondern meine Musik auch hören können. Hin und wieder ergaben sich Gelegenheiten (z.B. sang ich ein eigenes Lied bei meiner Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule), aber im Großen und Ganzen fehlte mir doch immer der Mut meiner Neigung ernsthaft nach zu gehen. Ein Kompsitionsstudium traute ich mir leider nicht zu. Mit meiner Arbeit als Lehrerin stand ich plötzlich vor der Situation, dass ich ein Ensemble vor mir hatte, für das es keine geeignete Musik gab. Die Fertigkeiten der Spieler waren höchst unterschiedlich, die Besetzung grob gesagt ungewöhnlich. Ich hatte die Wahl nur zu arrangieren oder gleich zu komponieren. Ich entschied mich mehrheitlich für die Komposition. Und es war sehr befriedigend, als ich meine Ideen umgesetzt hört und bei den Aufführungen alles den Umständen entsprechend funktionierte. Von vielen Seiten kam Anerkennung.

Trotz all dem fehlte eigentlich immer die Zeit, mich intensiv mit Komposition zu beschäftigen. Aber mir ist klar, richtig gut werden kann man nur, wenn man die Materie ganz durchdringt. Ich muss hören, lesen und vor allem viel, viel schreiben, wenn ich mich guten Gewissens Komponistin nennen möchte. Also fiel irgendwann der Entschluss, jede Gelegenheit Musik zu schreiben zu nutzen.

Und die nächste Inspiration wartete schon, denn mit der beste Freund unserer Familie wird heiraten. Seine Braut wünscht sich Cellomusik zur Trauung und nun arbeite ich an einer Komposition für Trompete und Cello. Ein Duett scheint mir für eine Hochzeit symbolisch ohnehin am geeignetsten.

Gestern dann kamen zwei meiner Schülerinnen auf mich zu. Sie möchten gemeinsam musizieren, aber es gäbe keine geeignete Literatur. Ob ich ihnen nicht etwas schreiben könnte. Die Rohfassung ist schon fertig.

Und vor dem nächsten Lauf will ich gleich noch an mein Cello. Ein kleines Solostück für eine Kirche, in der ich gestern gesungen habe, spuckt mir im Kopf herum…

2015: 35 Läufe, 338,5 km, 16 km geschwommen.

 

Zipperlein

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Gestern war mein Lauf absolut kein Spaß. Ich habe mir beim Aufbau für einen Auftritt meines kleinen Orchesters (Stühle-, Notenständer-, Verstärker-Schleppen…) eine böse Verspannung im Schulterbereich geholt. Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag konnte ich der Schmerzen halber kaum Schlafen. Ich hatte gehofft, dass durch den Lauf die Durchblutung angeregt würde und habe auch versucht den Armeinsatz bewusst zu gestalten. Leider hat es zunächst nichts gebracht. Am Ende war mir richtig übel vor Schmerzen. Allerdings besserte sich die Lage dann nach einer heißen Dusche deutlich. Spötter mögen behaupten, ich würde überhaupt nur Laufen gehen um mir guten Gewissens literweise heißes Wasser über den Rücken laufen lassen zu können. Das Wärmepflaster, das ich mir heute aufgeklebt hatte und unter meinem Shirt am Hals hervorlugte, wurde von einer Schülerin dann mal gleich für ein Nikotinpflaster gehalten. Hm, interessante Einschätzung, wo ich schon Brechreiz bekomme, wenn ich ein Schülerheft korrigieren muss, dass nach Zigaretten stinkt. Aber egal, die Verspannung löst sich langsam, gleich gibt es nochmal ein Kirschkernkissen drauf.

Ach ja, endlich hab ich die optimale Schnürung der Laufschuhe ausbaldowert und das Eis auf der Strecke ist ganz geschmolzen!

2015: 30 Läufe, 288,5 km, 14 km geschwommen