Auszeit und Inspirationen

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So, jetzt hat mich ein Schnupfen ereilt. Und weil ich gerade auch in einer recht kreativen Phase stecke, musste das Laufen diese Woche einmal ausfallen. Das Schwimmen fiel einer Prüfung zum Opfer, die ich beaufsichtigen musste.

Wenn ich nicht zahlreiche Verpflichtungen familiär und beruflich hätte, dann würde ich vermutlich nur noch zwischen Computer, Cello, Klavier – und Posaune hin und her pendeln. Denn nicht nur, dass ich meine „alten“ Instrumente, also die, die ich studiert habe, gerade wieder sehr zu schätzen weiß und Spaß am Üben habe, nein, seit einer Woche besitze ich auch noch eine Posaune.

Ursprünglich hatte ich vor, mir zu meinem 40. Geburtstag ein Instrument schenken zu lassen (oder es selbst zu tun). Mein Vater hat damals ein Tandem geschenkt bekommen und seither leidet er, wenn er mal einen Tag nicht Rad fahren darf. Deshalb erschien mir dieser Geburtstag ein reizvoller Zeitpunkt etwas neues anzufangen. Seit ich meinen Mann kenne finde ich Blechblasinstrumente äußerst faszinierend. Vorher waren meine Erfahrung mit dieser Instrumentenfamilie grob gesagt gruselig gewesen. Alles was ich an Blasmusik bis dahin gehört hatte, war einfach nur laut, falsch, unmusikalisch gewesen. Mein Mann – damals noch nicht mal Freund – schenkt mir dann eine CD des Ensembles German Brass und mir war eine neue Welt eröffnet. Allerdings hatte ich nicht den Mut selbst so etwa völlig neues anzufangen und nutzte im Studium erst einmal die Gelegenheit an der Querflöte fit zu werden. Da mich die Familie und das Fußfassen im Beruf jetzt mittlerweile seit zehn Jahren voll beschäftigt haben, blieb zwar immer der Wunsch ein Blechblasinstrument zu erlernen, aber ich schob das auf einen Zeitpunkt, wenn ich wieder mehr Zeit für mich haben würde. Der 40. Geburtstag erschien mir recht realistisch. Vor knapp drei Wochen war ich dann in einem Konzert des Jazzorchester meines Mannes (er ist Trompeter) und quasi spontan war der Entschluss da. Ich werde keine drei Jahre mehr warten. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Jetzt fange ich an. Mein Mann ist sofort aktiv geworden und kam letzten Donnerstag von seiner Probe mit einer – meiner! – Posaune zurück. Jetzt halte ich brav Töne aus und werde mir bald etwas Unterricht geben lassen. Ziel ist es, mit meinem Mann Duette für jeden Anlass auf Lager zu haben.

Neben dem neuen Instrument hat mich eine neue Freundschaft inspiriert. Tolle Gespräche bei Tee über Musik und die Welt und eine Fotosammlung haben einen kreativen Schub in mir ausgelöst. Ein Stück für Gitarre und Cello ist dabei heraus gekommen an dem nur noch etwas gefeilt werden muss.

Um ehrlich zu sein, wollte ich, seit ich ein Instrument spiele, immer selbst Musik schreiben und habe das auch in kleinem Rahmen immer wieder getan. Allerdings wollte ich nie für die Schublade produzieren, sondern meine Musik auch hören können. Hin und wieder ergaben sich Gelegenheiten (z.B. sang ich ein eigenes Lied bei meiner Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule), aber im Großen und Ganzen fehlte mir doch immer der Mut meiner Neigung ernsthaft nach zu gehen. Ein Kompsitionsstudium traute ich mir leider nicht zu. Mit meiner Arbeit als Lehrerin stand ich plötzlich vor der Situation, dass ich ein Ensemble vor mir hatte, für das es keine geeignete Musik gab. Die Fertigkeiten der Spieler waren höchst unterschiedlich, die Besetzung grob gesagt ungewöhnlich. Ich hatte die Wahl nur zu arrangieren oder gleich zu komponieren. Ich entschied mich mehrheitlich für die Komposition. Und es war sehr befriedigend, als ich meine Ideen umgesetzt hört und bei den Aufführungen alles den Umständen entsprechend funktionierte. Von vielen Seiten kam Anerkennung.

Trotz all dem fehlte eigentlich immer die Zeit, mich intensiv mit Komposition zu beschäftigen. Aber mir ist klar, richtig gut werden kann man nur, wenn man die Materie ganz durchdringt. Ich muss hören, lesen und vor allem viel, viel schreiben, wenn ich mich guten Gewissens Komponistin nennen möchte. Also fiel irgendwann der Entschluss, jede Gelegenheit Musik zu schreiben zu nutzen.

Und die nächste Inspiration wartete schon, denn mit der beste Freund unserer Familie wird heiraten. Seine Braut wünscht sich Cellomusik zur Trauung und nun arbeite ich an einer Komposition für Trompete und Cello. Ein Duett scheint mir für eine Hochzeit symbolisch ohnehin am geeignetsten.

Gestern dann kamen zwei meiner Schülerinnen auf mich zu. Sie möchten gemeinsam musizieren, aber es gäbe keine geeignete Literatur. Ob ich ihnen nicht etwas schreiben könnte. Die Rohfassung ist schon fertig.

Und vor dem nächsten Lauf will ich gleich noch an mein Cello. Ein kleines Solostück für eine Kirche, in der ich gestern gesungen habe, spuckt mir im Kopf herum…

2015: 35 Läufe, 338,5 km, 16 km geschwommen.

 

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