Tempus fugit

Standard

Heute war der Lauf selten unangenehm: Schneeregen, Windböen, der Weg eine einzige Pfütze. Aber meine Form war gut, der Lauf schneller vorbei als gedacht. Erstaunlich schnell ist mein Muskelkater von der Waldarbeit abgeklungen. Meine Beine schillern nach wie vor in den herrlichsten Blau-Rot-Grün-Gelbtönen, jedoch auch hier sind die Schmerzen quasi schon weg.

Das Schwimmen gestern war super! Eine ganze Bahn am Rand für mich allein, keine Schulkinder – das habe ich in vollen Zügen genossen. Ich habe kaum gemerkt wie die Zeit verging. Fast wäre ich zum nächsten Termin zu spät gekommen.

Selten zuvor kam mir die Gegenwart so flüchtig vor. So viele Kilometer dieses Jahr schon zurückgelegt, so viele neue weiße Haare auf meinem Kopf, gestern schon wieder die Kalender umgeblättert – und heute geht mein Sohn – mein erstes Baby – schon zum ersten Mal zur Kommunion.

Und irgendwie habe ich das Gefühl ich könnte den Tag auch absolut sinnvoll füllen, wenn er 48 Stunden hätte.

„Holz und Stein“ hat übrigens noch einen „Kollegen“ bekommen: „Stein, Holz und Metall“ ist eine Komposition für Violine und Violoncello. Im Stil ist sie sehr an Arvo Pärt angelehnt. Ich freue mich sehr, dass beide Stücke heute Abend im Gottesdienst erklingen werden.

Gerade dem Komponieren würde ich so gerne mehr Zeit widmen. Ich müsste mich auch unbedingt noch in ein paar Dinge in Sachen Notation, Arrangement und Instrumentation einlesen und würde gerne noch viel mehr Musik hören. Aber all das geht nicht nebenbei. Mir ist es schon passiert, dass ich am Computer saß und nur einen Takt notieren wollte und bis ich es endlich geschafft hatte, waren zwei der drei Kinder vier Mal mit Fragen oder Wünschen an mich herangetreten. Bei einem Musikstück von sieben Minuten musste ich neulich drei Unterbrechungen hinnehmen, bis ich es durchgehört hatte. Das geht eigentlich gar nicht, wenn man professionell arbeiten möchte. Es ist wirklich kein Wunder, dass ich meinen Drang mich musikalisch auszudrücken so lange unterdrückt habe. Es tut manchmal fast körperlich weh, wenn da ein Klang oder ein Gefühl ist, die in mir zu Musik werden wollen, aber ich einfach keine Zeit habe, dem nach zu geben.

Doch so knapp mir meine Zeit auch vorkommt, ist diese Empfindung doch eigentlich Ausdruck eines ungeheuren Reichtums. Menschen, Ideen, Dinge – ich lebe im Überfluss. Und deshalb ist da, neben einem kleinen Bedauern nicht allem nachgeben zu können, auch eine immense Dankbarkeit für den Reichtum, der meine Leben erfüllt.

2015: 40 Läufe, 389,3 km, 21 km geschwommen

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s