Wie sich der Geschmack ändert

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Gestern gab es eine Premiere. Ich habe für mich und meine Kinder ein Hähnchen gebraten!

Bisher habe ich das einfach nicht getan, weil es mir zu umständlich ist, an ein echtes Biohuhn zu kommen. Bei Hähnchen aus dem Supermarkt schwingt immer das schlechte Gewissen mit, weil die Tiere vermutlich kein so tolles Leben hatten und man weiß auch nicht, was alles an die Tiere verfüttert wurde. Ich erinnere mich auch nicht, dass meine Eltern früher je Geflügel im Supemarkt gekauft hätten. Es gab Enten von der Oma oder mal eine Gans von der Verwandschaft. Beides zählte nicht zu meinen geschmacklichen Favoriten, aber wenn es in seltenen Fällen mal ein Hähnchen gab, war ich nicht zu bremsen. Eine Zeit lang zog ich als Schülerin in meiner Mittagspause sogar mit einer Freundin los und wir vertilgten zusammen ein halbes „Geggal“.

Da unsere Kids nun groß genug sind auch angemessene Mengen Fleisch zu vertilgen, dass es sich lohnt ein Tier im ganzen zu Kaufen und zu Garen, packte ich es an. Geflügelteile sind mir immer suspekt, denn was passiert mit dem Rest des Tiers?

Nein, es wurde kein Biohuhn. Asche auf mein Haupt.

Aber die Zubereitung gelang problemlos. Geschmacklich war es wunderbar, also das heißt, es schmeckte genau so, wie ich ein gutes Hähnchen in Erinnerung hatte. Es ist ewig her, dass ich eines gegessen habe.

Ja und jetzt kommen wir zum entscheidenden Punkt. Es war lecker, aber ich mochte es trotzdem nicht wirklich! War ich früher so scharf darauf gewesen und waren die ersten Bissen gestern noch ganz toll, so schwand meine Begeisterung nach und nach. Ich ernähre mich viel vegetarisch, und bin Geschmack und Konsitenz von Geflügel und Fleisch wohl gar nicht mehr so gewöhnt, denn mit den Bratwürsten, die die Kinder immer mal bekommen, geht es mir auch so. Fleischliches wegzulassen, war früher für mich Verzicht und ist es nun offensichtlich nicht mehr. Das finde ich erstaunlich. Ob das wohl mit Zucker auch funktioniert?

Hähnchen gibt es erst wieder, wenn die Kinder es lautstark einfordern, denn nur weil ich es nicht mehr mag und mein Mann es ja sowieso nicht isst, will ich meinen Kindern es nicht grundsätzlich vorenthalten. Und dann gibt es auch Biohuhn. Versprochen.

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  1. So wie Du es beschreibst mag es vielleicht auch mit bestimmten Stimmungen oder liebgewordenen Traditionen zusammenhängen….mit der Freundin schnell mal eben in der Pause kulinarische Genüsse teilen….oder das Hähnchen in der Familie, was es nicht häufig gab und somit etwas besonderes war….

    Geschmäcker ändern sich…man mag etwas nicht mehr….oder man mag etwas neues….und wenn Situationen / Stimmungen nicht reproduzierbar sind verblasst vielleicht auch alles andere…

  2. Mir geht es mit den Hähnchen genau so, die gab es früher nur bei Oma. Wenn ich selbst welches mache, ist es mir zu fettig … und ich muss den Rauchmelder vorher rausdrehen, sonst schlägt er Alarm. Außerdem ist Hähnchen genau betrachtet sehr speziell: Es ist an manchen Stellen trocken, an anderen saftig, an manchen zart, an manchen zäh, an manchen trieft es vor Fett, an manchen wünscht man sich ein wenig mehr. Ich finde Geflügel im Ganzen sehr undankbar in der Zubereitung.

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