Archiv für den Monat Juli 2016

52 Wochen – Teil 22

Standard

Unsere mittlere Tochter verlässt den Hockeyverein. Aufgrund ihrer musikalischen Aktivitäten konnte sie mit Beginn der Feldsaison nur einmal pro Woche trainieren und wurde dann wegen mangelnder Fortschritte von der Trainerin stark kritisiert. Statt das Kind anzustacheln wurde das Gegenteil erreicht. Immer öfter wurde ich von der Tochter gefragt, ob sie denn zum Hockey müsse.

Ich kann nicht verhehlen, dass mir die Spieltage am Wochenende, die immer mindestens eine Autostunde entfernt waren, gehörig auf den Geist gingen. Als Lehrer ist man am Wochenende platt und hat neben Vor- und Nachbereitung des Unterrichts einen Berg Hausarbeit zu erledigen. Klassenarbeiten am Spielfeldrand korrigieren, ist da nur eine Teillösung des Zeitproblems. Von fehlender Familienzeit will ich gar nicht groß reden. Wir konnten uns nie damit anfreunden als ganze Familie auf dem Platz zu stehen und der Tochter beim Verlieren zuzusehen. Ehrgeizige Eltern der „besseren Gesellschaft“ und cholerische Trainer der Gegner trugen nie zum Wohlbefinden bei.

Längere Inkubation, kurzer Entschluss: Freitag war Midis letztes Training!

Um dem Kind (und seinen Geschwistern) aber zu vermitteln, dass Sport unverzichtbar ist und zum Leben dazu gehört – ohne sich gleich neuen Termindruck zu produzieren – nahm ich Maxi, Midi und Mini gestern mit auf meine kleine Laufrunde. Mit etwas Überredungskunst und kleiner Erpressung (Filmabend) absolvierte auch der unsportliche Maxi 5 Kilometer, Midi schlug sich tapfer, die Mini rannte wie der Wind.

Die Folge war allerdings, dass Mini am Nachmittag platt war und ungeplant einschlief. Was wiederum zur Folge hatte, dass sie abends nicht einschlafen konnte. Die böse Hexe Rabia aus dem Bibi Blocksberg Film spukte der Kleinen leider auch noch im Kopf herum. Das Ende vom Lied war, dass sie im Elternbett landete. Und das wiederum vertrieb mich nach einiger Zeit aus dem Selben.

Im Bett des Kindes war mir zu viel Spielzeug, aber mein Rücken dankt es mir heute nicht, dass ich auf dem Sofa nächtigte.


Das Projekt:

Initiator: Zeilenende

Partizipanten: Solera, Marinsche, Wili, Gertrud

 

Und wieder ein Musical geschafft

Standard

Ich arbeite an einem Gymnasium mit Musikprofil, was bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler in den Klassen 5 bis 7 Musik dreistündig erteilt bekommen können und eine Musik-AG (Chor oder Orchester) besuchen. Ab Klasse 8 kann statt einer dritten Fremdsprache oder Naturwissenschaft-und-Technik Musik als vierstündiges Fach gewählt werden. Der Besuch einer AG ist auch dann obligatorisch.

Seit etwa 10 Jahren stellt ein Kollege jedes Jahr ein Musical auf die Beine. Meist stehen dabei die Kinder der Unterstufe im Mittelpunkt. Sie können sich als Solisten, Chorsänger oder Schauspieler bewähren.

Mittlerweile im dritten Jahr bin auch ich mit von der Partie. Als Leiterin des Unterstufenorchesters versuche ich die jungen Instrumentalisten in die Produktion einzubinden und die Musiker der höheren Klassen gezielt zu engagieren. Das ist mir mal mehr, mal weniger gut gelungen.

Dieses Jahr blieb es bis zum Schluss spannend.

Wie programmiert man einen Synthesizer, wenn man das noch nie gemacht hat, deshalb mit der Terminologie dieser Tätigkeit nicht vertraut ist, das DIN A4 Handbuch zwar vier Zentimeter dick, aber nur auf Englisch ist?

Noch zehn Tage vor der ersten Aufführung drohte eine wichtige Spielerin abzuspringen und einige „Küken“ brauchten auch in der Generalprobe noch einen Aufpasser, damit sie halbwegs zur rechten Zeit die rechten Töne spielten.

Ärgerlich dabei war für mich, dass einige der Kids das Musizieren nicht als Privileg (vor meiner Zeit durften die „kleinen“ Instrumentalisten nicht mitwirken) ansahen, sondern als lästige Pflicht. Die Arrangements so zu schreiben, dass sie für wenig weit fortgeschrittene Instrumentalisten zu bewältigen sind, war sehr viel Arbeit und machte ehrlich gesagt dieses Jahr keinen Spaß. Trotz meiner Vorarbeit muss aber jeder Spieler seinen Part auch üben, was manche aber offensichtlich nicht für nötig hielten. Meine Lehre habe ich daraus gezogen und werde die „Kleinen“ in Zukunft nur auf freiwilliger Basis einbinden, zur Not mit einem Probespiel. Wer seine Töne einfach nicht trifft, kann dann halt nicht mitmachen.

Höchst problematisch war für mich auch die Koordination des gesamten Musicalorchesters, da ich wegen meiner Teilzeittätigkeit nur zweieinhalb Tage die Woche in der Schule anwesend war und wenige Schüler selbst unterrichtet habe. Die Kommunikation von Probenterminen und die rechtzeitige Übergabe des Notenmaterials lief in einigen Fällen reichlich schief. Nächtliche Eltern-Mails waren die Folge – sehr unerfreulich.

Den letzten Nerv raubten mir dann nachdem die Hauptproben angelaufen waren, die permanenten Ausfälle verschiedener Schüler: „Da hab ich Gitarrenunterricht, da muss ich früher gehen“, „Ich hab einen Arzttermin“, „Ich hab den Bus verpasst“, „Da hab ich einen Gig“ – um nur eine Auswahl zu nennen.

Ein Orchester mit über 40 Mann muss gemeinsam proben! Es gibt viele Absprachen, die während dieser Proben getroffen werden. Jeder muss die Abläufe genau kennen und wissen wann er laut und leise spielen muss. Er muss die Zeichen des Dirigenten kennen und umgehend auf diese reagieren können. Es sind viele, viele Kleinigkeiten, die aber notwendig sind, damit eine Musicalaufführung gelingen kann. Wenn ständig Spieler fehlen, braucht man viel mehr Zeit bis alles sitzt. Und diese Zeit haben wir einfach nicht. Jedes Jahr von Neuem gibt es schon im Vorfeld Kritik wegen des Unterrichtsausfalls von Eltern, Kollegen, Schulleitung. Also versucht man mit einem Minimum an Probenzeit auszukommen um künftige Produktionen zu sichern.

Nun trotz aller Ärgernisse und Unsicherheiten ist die Produktion von „Schach 2.0“ von Andreas Schmittberger gelungen. Kollegen und Schüler haben letztlich wieder Unglaubliches geleistet und das Publikum dankte mit donnerndem Applaus.

Und ich bin einfach nur froh, dass es geschafft ist.

 

52 Wochen – Teil 20

Standard

Seit 20 Wochen gebe ich einen Einblick in mein Leben in Form von Bildern meines Wohnzimmers (oder des Ortes, der in der jeweiligen Woche sehr wichtig war). Manchmal ist auch ein Selfie dabei.

Heute ein detaillierterer Blick auf die Musikecke und damit ein sehr persönlicher Blick in Vergangenheit und Zukunft:

  • Mein braves Klavier, das ich mir vor 18 Jahren zur bestandenen Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule kaufte. Darauf die Noten der Klavierbegleitung für meine kleine Tochter.
  • Der Notenständer aus dem Holz einer Ulme aus meinem Heimatdorf mit den Geigennoten der Töchter.
  • Mein Cello, das ich 1995 bekam und auf dem vor mir niemand anderer gespielt hatte, weil es am Tag des Kaufs erst fertig geworden war.
  • Die Achtelgeige der kleinen und die Viertelgeige der großen Tochter.
  • Das Gitarrengigbag des Sohnes.
  • Der Geigenhalter für meine Geige, die ich vor 13 Jahren bei einer Haushaltsauflösung erbeutete und die aber grade in ihrem Kasten liegt, weil sie auf eine unumgängliche Reperatur wartet.
  • Eine Guiro und eine Shékere, die wir vor 15 Jahren auf Studienreise auf Kuba kauften.
  • Ein Horn aus Peru, das meine Schwester meinem Mann von dort mitbrachte.
  • Ein Didgeridoo, das ich auf dem Afrikafestival (?!) in Würzburg erstand.
  • Ein Rainmaker, der irgendwann in den 90ern von meiner Mutter in einem Weltladen (vermutlich in Ingolstadt) erstanden wurde.
  • Das selbst gebaute Notenregal.
  • Ein Lebensbaum, den mir meine Cellodozentin zur standesamtlichen Hochzeit schenkte.
  • Ein Choelestin, den uns ein Freund zur kirchlichen Hochzeit schenkte.
  • Ein versteinerter Ammonit aus einem Steinbruch 500 Meter Luftlinie von unserem Haus entfernt, den ein Freund gefunden und bearbeitet hat.
  • Ein Familienfoto aus dem Jahr 2014, ein Bild der Kinder aus diesem Sommer und ein Bild meiner Eltern.
  • Ganz versteckt in der Ecke die diesjährige „Osterkerze im Glas“.
  • Dekohühner, die die beiden großen Kinder im Hort gefertigt haben.
  • Die Schultüte für meine kleine Tochter.

Das Projekt:

Initiator: Zeilenende

Partizipanten: Solera, Marinsche, Wili, Gertrud