Archiv für den Monat Dezember 2017

Radeln, Schwimmen, Laufen, 10.000 Schritte 2017

Standard

1745 Kilometer war ich insgesamt mit meinem Pedelec unterwegs. Hauptsächlich handelte es sich um die Fahrten zum Arbeitsplatz und zurück.

31 Kilometer bin ich geschwommen. Die Lust, sich im Wasser zu bewegen, wollte in diesem Jahr einfach nicht recht aufkommen.

Gejoggt bin ich 3200 Kilometer in 350 Läufen. Von den 15 Tagen ohne Läufe war ich an einigen einfach krank, an zwei auf Dienstreise, an zwei weiteren hatte ich den Tag durchgearbeitet und konnte mich auch ohne Lauf kaum mehr auf den Beinen halten und ich kann mich an nur einen Tag erinnern, wo ich aufgrund vorangegangenen Stresses den Schweinehund gewinnen lies, obwohl reichlich Zeit gewesen wäre. Ich war sehr gemächlich unterwegs, so dass ich nur auf einen Schnitt von 6 Minuten und 54 Sekunden pro Kilometer gekommen bin. Ausgezahlt hat sich das allerdings darin, dass ich mich an keine nennenswerten Kreislauf-, Muskel- oder Gelenkprobleme durch das Laufen erinnern kann.

Mein Ziel täglich 10.000 Schritte zurück zu legen habe ich nur an sechs Tagen nicht erreicht. An fünf davon war ich krank. Dem gegenüber stehen aber auch ein Tag mit mehr als 40.000 Schritten und acht mit mehr als 30.000 Schritten. Im Durchschnitt waren es über 19.000 Schritte pro Tag.

Es fiel mir im Alltag oft schwer, mir meine sportlichen Leistungen anzuerkennen, da in meinem Haushalt eine Person lebt, die jeden Tag noch viel früher aufsteht als ich und fast doppelt so viele Kilometer rennt. Neben Soleras Bilanz wirkt meine immer kläglich. Aber wenn ich mich nur an mir selbst messe, habe ich dieses Jahr unglaubliches geleistet. Die Gesamtlaufkilometer der Jahre 2014, 2015 und 2016 waren 800 km, 1600 km und 1500 km. Davor kam ich nie auch nur annähernd auf eine ähnliche Zahl.

Somit war 2017 absolute Spitze!!!

Gewichtstechnisch zeigte die Waage zuletzt wieder ziemlich nach oben, weil ich viel Stress hatte und dadurch in fiese alte Verhaltensmuster gefallen bin. Aber da ich immer noch deutlich unter dem Gewicht liege, das ich letztes Jahr um dieses Zeit hatte, versuche ich mich nicht zu sehr zu ärgern, sondern einfach jeden neuen Tag als Chance zu begreifen.

Vorsätze für 2018?

In Bewegung bleiben, weniger Müll essen und – viel wichtiger als alles andere – mehr Lachen!

Advertisements

Lohn der Arbeit?

Standard

Gestern war es wieder soweit: Das alljährliche vorweihnachtliche Konzert des Gymnasiums, an dem ich arbeite, fand statt.

Ich leite das Orchester der Klassen 6 und 7, das heißt die Kinder sind zwischen 11 und 13 Jahren alt. In wöchentlich einer Schulstunde (=45 Minuten) saßen da, nachdem sie Tische beiseite- und Stühle und Notenständer hergeschafft haben, ihr Instrument und ihre Noten ausgepackt und gestimmt haben, 27 Schülerinnen und Schüler in folgender Besetzung seit Beginn des Schuljahres vor mir:

  • 1 Querflöte
  • 3 Klarinetten
  • 6 Trompeten
  • 1 Horn
  • 2 Posaunen
  • 1 Akkordeon
  • 2 Schlagzeuger
  • 6 Gitarristen (akustisch)
  • 1 Geige
  • 1 Cello
  • 1 E-Bass
  • 2 Klavierspieler

Da ich mich nicht im Stande sah, für diese kuriose Besetzung ein fertiges Arrangement zu verwenden, habe ich mal wieder ein Stück selbst geschrieben. Einige der Schüler spielen schon ganz passabel, aber obwohl wir eine Schule mit Musikschwerpunkt sind, sind keine Stars, denen alles zufliegt, im Ensemble. Im Gegenteil haben manche echte Probleme beim Notenlesen.

Ich habe also mein Möglichstes getan, ein Stück zu schreiben, das möglichst vielen gerecht wird, so dass sie zeigen können, was in ihnen steckt und möglichst niemand merkt, wieviel sie noch nicht können. Um ehrlich zu sein, saß ich im Laufe des Kompositionsprozesses tatsächlich mal weinend an meinem Schreibtisch, weil es mir so schwer fiel, ein schönes Stück zu schreiben. Das fing schon bei der Tonart an. Die gleiche Melodie, die auf einer Trompete problemlos für einen Anfänger funktioniert, ist für einen Geigenanfänger unspielbar.

Nach wirklich hartem Ringen ist ein etwa sechsminütiges Stück herausgekommen, zu dem mir dann nicht mal mehr ein Titel einfallen wollte. Im Geheimen hatte ich es in der verzweifeltsten Stunde „Drecksmistmüll“ genannt, aber das ließ sich absolut nicht ins Programmheft schreiben. Für die Schüler wäre so ein Titel letztlich ja auch nicht motivierend gewesen. Also beschloss ich darauf zu bestehen, dass mein kleines Orchester das Konzert eröffnen dürfte und gab dem Stück den Namen „Ouvertüre“.

Die Probenarbeit war hart, denn obwohl viele sehr willige Geister ihre Instrumente bedienten, waren auch einige sehr (vor-)pubertierende Jungs unter den Spielern, die jede Gelegenheit nutzten, Blödsinn zu machen. Von den 45 Minuten jede Woche blieben nach Aufbau, Stimmen und Abzug alles Ermahnungen zu Ruhe und Konzentration effektiv höchstens 20 Minuten in denen wirklich musiziert werden konnte. Bis zuletzt war ich mir nicht sicher, ob wir überhaupt auftreten würden können, weil sich alles noch so furchtbar schief anhörte und die Spieler permanent ihre Einsätze verpassten.

Aber was soll ich sagen? Die Kinder haben ihre Sache sehr gut gemacht! Natürlich war nicht jeder Akkord sauber und das Tempo schwankte auch ein bisschen, aber neben all den schiefen und kratzigen Tönen, war wirkliche echte Musik zu hören!

Was schon am Abend einen faden Beigeschmack hinterließ, war der zögerliche Applaus, mit dem das Publikum das Eröffnungsstück des Abends bedachte. Die Schülerinnen und Schüler haben wirklich gegeben, was sie konnten und dafür hätten sie auch ein paar Bravorufe verdient gehabt!

Aber für das Publikum waren die folgenden Ensembles viel beeindruckender. Die Chöre der Klassen 5 sowie 6/7 sang insgesamt 9 Stücke, schön begleitet von diversen älteren Schülern oder Lehrern. Der Schulchor der älteren Schüler sang wunderschöne weihnachtliche Literatur. Das Streichorchester (ab Klasse 8) gab einen Sinfoniesatz, sowie Teile eines Konzertes für zwei Solocelli zum Besten. Und zuletzt trat der preisgekrönte Kammerchor mit insgesamt sieben Stücken auf.

Wen wundert es da, dass am Ende des Konzerts, mein Orchester schon wieder vergessen war? „Ach komm, das stimmt doch nicht“ – würden die Kollegen zu mir sagen? Wirklich? Tja, die Lokalpresse hat es nicht für nötig gehalten, mein Ensemble zu erwähnen. Zwar ist zunächst noch die Rede von Orchestern und einer Ouvertüre, aber aus Sicht des Journalisten fing das Konzert erst mit dem Chor an.

Bin ich jetzt gekränkt, weil zwar die Namen meiner Kollegen, aber meiner nicht erwähnt wurden? Ja, bin ich tatsächlich.

Aber ehrlich gesagt hätte ich keine Zeile darüber verloren, wenn nicht etwas anderes viel schlimmer wäre: Wie fühlt sich jetzt ein Schüler/eine Schülerin, der/die seit Anfang des Schuljahres, also drei Monate lang, jede Woche gekämpft hat, Töne zu treffen, idiotische Kommentare von Mitspielern zu ignorieren, Einsätze nicht zu verpassen und dem all das im Konzert nichts mehr ausgemacht hat und er statt dessen mit 26 anderen zusammen echte Musik gemacht hat? Und dann liest er in der Zeitung, wie toll der Chor seiner Mitschüler war und sein eigenes Stück findet er im Artikel nicht, obwohl sonst alle Ensembles erwähnt sind. Ja, wie fühlt der sich? Und mit welcher Einstellung geht er an die Vorbereitung des nächsten Konzerts? Stürzt er sich voll Freude rein, weil es sich so gelohnt hat? Oder denkt er vielleicht „Es interessiert sowieso keinen, was wir da machen!“?

Ich werde jedenfalls meinen Schülerinnen und Schülern nach den Weihnachtsferien eine kleine Belohnung mitbringen und ihnen neue Stücke schreiben. Ich bin stolz auf die Leistung, die sie gebracht haben. Sie haben so viel gelernt, solche Fortschritte gemacht!

Aber ich glaube, ich werde mir etwas einfallen lassen, so dass das Publikum nicht wieder mit Applaus spart und auch der schludrigste Lokaljournalist das Ensemble nicht zu erwähnen vergisst, denn das haben die Jungs und Mädels verdient!