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Lohn der Arbeit?

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Gestern war es wieder soweit: Das alljährliche vorweihnachtliche Konzert des Gymnasiums, an dem ich arbeite, fand statt.

Ich leite das Orchester der Klassen 6 und 7, das heißt die Kinder sind zwischen 11 und 13 Jahren alt. In wöchentlich einer Schulstunde (=45 Minuten) saßen da, nachdem sie Tische beiseite- und Stühle und Notenständer hergeschafft haben, ihr Instrument und ihre Noten ausgepackt und gestimmt haben, 27 Schülerinnen und Schüler in folgender Besetzung seit Beginn des Schuljahres vor mir:

  • 1 Querflöte
  • 3 Klarinetten
  • 6 Trompeten
  • 1 Horn
  • 2 Posaunen
  • 1 Akkordeon
  • 2 Schlagzeuger
  • 6 Gitarristen (akustisch)
  • 1 Geige
  • 1 Cello
  • 1 E-Bass
  • 2 Klavierspieler

Da ich mich nicht im Stande sah, für diese kuriose Besetzung ein fertiges Arrangement zu verwenden, habe ich mal wieder ein Stück selbst geschrieben. Einige der Schüler spielen schon ganz passabel, aber obwohl wir eine Schule mit Musikschwerpunkt sind, sind keine Stars, denen alles zufliegt, im Ensemble. Im Gegenteil haben manche echte Probleme beim Notenlesen.

Ich habe also mein Möglichstes getan, ein Stück zu schreiben, das möglichst vielen gerecht wird, so dass sie zeigen können, was in ihnen steckt und möglichst niemand merkt, wieviel sie noch nicht können. Um ehrlich zu sein, saß ich im Laufe des Kompositionsprozesses tatsächlich mal weinend an meinem Schreibtisch, weil es mir so schwer fiel, ein schönes Stück zu schreiben. Das fing schon bei der Tonart an. Die gleiche Melodie, die auf einer Trompete problemlos für einen Anfänger funktioniert, ist für einen Geigenanfänger unspielbar.

Nach wirklich hartem Ringen ist ein etwa sechsminütiges Stück herausgekommen, zu dem mir dann nicht mal mehr ein Titel einfallen wollte. Im Geheimen hatte ich es in der verzweifeltsten Stunde „Drecksmistmüll“ genannt, aber das ließ sich absolut nicht ins Programmheft schreiben. Für die Schüler wäre so ein Titel letztlich ja auch nicht motivierend gewesen. Also beschloss ich darauf zu bestehen, dass mein kleines Orchester das Konzert eröffnen dürfte und gab dem Stück den Namen „Ouvertüre“.

Die Probenarbeit war hart, denn obwohl viele sehr willige Geister ihre Instrumente bedienten, waren auch einige sehr (vor-)pubertierende Jungs unter den Spielern, die jede Gelegenheit nutzten, Blödsinn zu machen. Von den 45 Minuten jede Woche blieben nach Aufbau, Stimmen und Abzug alles Ermahnungen zu Ruhe und Konzentration effektiv höchstens 20 Minuten in denen wirklich musiziert werden konnte. Bis zuletzt war ich mir nicht sicher, ob wir überhaupt auftreten würden können, weil sich alles noch so furchtbar schief anhörte und die Spieler permanent ihre Einsätze verpassten.

Aber was soll ich sagen? Die Kinder haben ihre Sache sehr gut gemacht! Natürlich war nicht jeder Akkord sauber und das Tempo schwankte auch ein bisschen, aber neben all den schiefen und kratzigen Tönen, war wirkliche echte Musik zu hören!

Was schon am Abend einen faden Beigeschmack hinterließ, war der zögerliche Applaus, mit dem das Publikum das Eröffnungsstück des Abends bedachte. Die Schülerinnen und Schüler haben wirklich gegeben, was sie konnten und dafür hätten sie auch ein paar Bravorufe verdient gehabt!

Aber für das Publikum waren die folgenden Ensembles viel beeindruckender. Die Chöre der Klassen 5 sowie 6/7 sang insgesamt 9 Stücke, schön begleitet von diversen älteren Schülern oder Lehrern. Der Schulchor der älteren Schüler sang wunderschöne weihnachtliche Literatur. Das Streichorchester (ab Klasse 8) gab einen Sinfoniesatz, sowie Teile eines Konzertes für zwei Solocelli zum Besten. Und zuletzt trat der preisgekrönte Kammerchor mit insgesamt sieben Stücken auf.

Wen wundert es da, dass am Ende des Konzerts, mein Orchester schon wieder vergessen war? „Ach komm, das stimmt doch nicht“ – würden die Kollegen zu mir sagen? Wirklich? Tja, die Lokalpresse hat es nicht für nötig gehalten, mein Ensemble zu erwähnen. Zwar ist zunächst noch die Rede von Orchestern und einer Ouvertüre, aber aus Sicht des Journalisten fing das Konzert erst mit dem Chor an.

Bin ich jetzt gekränkt, weil zwar die Namen meiner Kollegen, aber meiner nicht erwähnt wurden? Ja, bin ich tatsächlich.

Aber ehrlich gesagt hätte ich keine Zeile darüber verloren, wenn nicht etwas anderes viel schlimmer wäre: Wie fühlt sich jetzt ein Schüler/eine Schülerin, der/die seit Anfang des Schuljahres, also drei Monate lang, jede Woche gekämpft hat, Töne zu treffen, idiotische Kommentare von Mitspielern zu ignorieren, Einsätze nicht zu verpassen und dem all das im Konzert nichts mehr ausgemacht hat und er statt dessen mit 26 anderen zusammen echte Musik gemacht hat? Und dann liest er in der Zeitung, wie toll der Chor seiner Mitschüler war und sein eigenes Stück findet er im Artikel nicht, obwohl sonst alle Ensembles erwähnt sind. Ja, wie fühlt der sich? Und mit welcher Einstellung geht er an die Vorbereitung des nächsten Konzerts? Stürzt er sich voll Freude rein, weil es sich so gelohnt hat? Oder denkt er vielleicht „Es interessiert sowieso keinen, was wir da machen!“?

Ich werde jedenfalls meinen Schülerinnen und Schülern nach den Weihnachtsferien eine kleine Belohnung mitbringen und ihnen neue Stücke schreiben. Ich bin stolz auf die Leistung, die sie gebracht haben. Sie haben so viel gelernt, solche Fortschritte gemacht!

Aber ich glaube, ich werde mir etwas einfallen lassen, so dass das Publikum nicht wieder mit Applaus spart und auch der schludrigste Lokaljournalist das Ensemble nicht zu erwähnen vergisst, denn das haben die Jungs und Mädels verdient!

Arrangement geschafft!

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Fenster auf, Rolladen fast runter, damit es bei der Wärme unterm Dach erträglich bleibt.

Seit Wochen quälte ich mich mit dem Arrangement des diesjährigen Musicals herum. Zuerst konnte ich mich gar nicht überwinden überhaupt dran zu gehen und nach den ersten beiden Stücken, die mir überhaupt keinen Spaß machten, fand ich wieder ständig Gründe für einen Aufschub. Klassenarbeiten, Italienaustausch…

Ich wusste allerdings, dass es mich wahnsinnig machen würde, wenn ich die nächste unterrichtsfreie Zeit (=Pfingstferien) noch mit dem Arrangement verbringen würde. Zudem sollten die Schüler ihre Noten vorher erhalten, um genug Zeit zum Üben zu haben. Also setzte ich mir den heutigen Tag, 9.20 Uhr (große Pause) als Deadline. Da sollte die Notenausgabe stattfinden. Bis dahin musste alles fertig sein.

Der Himmelfahrtstag wurde durch einen Brückentag von vielen für einen Kurzurlaub genutzt. Da ich Donnerstag und Freitag ohnehin unterrichtsfrei habe, war das für mich einen Mogelpackung, denn die an diesen Tagen anstehenden Arbeiten außerhalb der Schule lösen sich ja nicht in Luft auf und zusätzlich sind die Kinder nicht in der Schule, sondern fordern Aufmerksamkeit. Allerdings wollte es die glückliche Fügung, dass eines unserer Kinder mit den anderen Ministranten für die vier Tage auf eine Hütte ging. Das jüngste Kind hatte sich zwei halbtägige Verabredungen besorgt und das übrige Kind hatte zwar Verabredungen, die sich leider zerschlugen, aber dieses Kind ist ohnehin nur mit Mühe zu überreden, sein Zimmer auch mal zu verlassen.

Also zwang ich mich gnadenlos alle Hausarbeit zu ignorieren:

„Nein, nicht auf den Fußboden gucken. Da sind keine Krümel und auch keine Haare!“

„Es ist noch gewaschene Wäsche da – wirklich!“

„Liebster süßer Ehemann, koch uns bitte was!“ (Es schmeckte wie immer vorzüglich!)

„Ich kann noch durchs Wohnzimmer laufen. Es ist noch Platz zwischen Spielzeug, Sportsachen und Schultaschen!“

Auf das Laufen verzichtete ich dagegen nicht! Die Hockerei machte mich halb irre, da brauchte es den Auslauf!

Schatzkästchen mit Nervennahrung!

So schaffte ich in vier Tagen sechs Stücke. Die kürzeren sparte ich für den Schluss auf und schaffte dann Montag nach der Schule tatsächlich zwei und die letzten beiden dann gestern. 17 Uhr war dann der letzte Ton gesetzt.

Alle Stücke mit Gesang mussten nach oben transponiert werden.

Leider war die Arbeit dann noch nicht vorbei. Aus den zwölf Einzelstücken musste eine Gesamtpartitur erstellt werden und daraus wiederum die Einzelstimmen für die Instrumentalisten extrahiert werden. Ein Bier half gegen den Hunger, aber kurz vor 23 Uhr ging nichts mehr. Also verlegte ich die restliche Arbeit auf den frühen Morgen. 6.15 Uhr war die letzte Stimme als PDF gespeichert.

Hach, da wäre ich lieber zum Joggen gegangen.

Dann versorgte ich die Kinder und als die auf dem Weg zur Schule waren, schrieb ich noch eiligst den Probenplan.

In der Schule klappte dann das Ausdrucken und der Broschürendruck perfekt, andernfalls hätte ich die Deadline auch nicht halten können. Tatsächlich lief noch eine letzte Stimme durch den Drucker, als die ersten Schüler zur Abholung bereit standen.

Ausgedruckte Stimmen. Und in dem dicken Stapel ist die 90 seitiges Partitur nicht mit drin.

Partitur digital - ich bin so dankbar, dass ich das nicht alles mit der Hand schreiben musste!

Fertiges Orchestermaterial, das von Schülern heute nicht abgeholt wurde - hmpf!

Es ist wirklich geschafft!

Und das heißt, ich habe echte Ferien! Ich habe nur zwei Arbeiten zu korrigieren. Es bleibt also Zeit auszuschlafen, im Garten zu werkeln und wir können mit den Kindern Ausflüge machen! Das ist soooooooo schön!

 

52 Wochen Klassik – Teil 14

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Heute habe ich ein Stück von Mozart ausgesucht. Es ist das Rondo in Es für Horn und Orchester KV 371.

Mit meinem Mann habe ich das Stück in einer Bearbeitung für Trompete und Klavier schon oft gespielt.

Bei einer Gelegenheit hatte er sich auch mal ein Corno da Caccia ausgeliehen. Das ist ein hornähnliches Instrument, das aber mit einem Kesselmundstück (wie bei einer Trompete) gespielt wird.

 

Hier geht es zur vollständigen Apple-Playlist.

 

52 Wochen Klassik – Teil 13

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Edward Grieg begleitet mich schon sehr lange. Zuerst lernte ich seine Musik wieder im Kinderballett kennen, als mein Ballettlehrer zur Musik der Peer Gynt Suiten eine Aschenputtelversion choreografierte. Als ich dann mit dem Klavierspiel begann, konnte ich nach ein paar Jahren schon erste lyrische Stücke spielen und im Studium lernte ich dann Lieder von ihm kennen.

Ich mag Griegs Tonsprache. Sollte ich ein paar Adjektive benutzen, würde ich „verspielt“, „empfindsam“, „intensiv“ verwenden. Auch bei großen Themen – finde ich – ist die Musik frei von überbordendem Pathos.

Das Lied „Prinsessen“ stammt aus dem Jahr

Das Video ist Originalsprache, es gibt aber auch eine schöne deutsche Übersetzung. Grieg selbst hat das Lied als reines Klavierstück umgearbeitet. In letzterer Variante ist das Stück auf meiner Playlist.

Hier geht es zur vollständigen Apple-Playlist.

52 Wochen Klassik – Teil 12

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Irgendwie hat das letzte Woche mit der automatischen Veröffentlichung nicht geklappt und mir ist es nicht aufgefallen. Deshalb gibt es heute zwei Beiträge.

Angeregt von Arabella habe ich meine geplante Reihenfolge umgestellt und ein Lied eingeschoben. Es geht um – die Liebe.

Das Lied stammt von John Dowland und wurde vor über 400 Jahren veröffentlicht.

Bei der Recherche stieß ich auf eine sehr interessante moderne Interpretation.

 

Hier geht es zur vollständigen Apple-Playlist, auf der sich eine traditionelle Einspielung befindet.

 

52 Wochen Klassik – Teil 11

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„Les tisserands“ ist das letzte Stück in der Reihe von den „8 Chansons françaises“ von Francis Poulenc. Ich spreche leider kein Wort Französisch, weswegen ich keine Übersetzung liefern kann. Gesungen hab ich das Stück im Schulmusikerchor an der Musikhochschule. Es hat damals tierisch Spaß gemacht!

Hier geht es zur vollständigen Apple-Playlist.

 

Mal wieder Musical

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Das vierte Jahr nun in Folge arbeite ich an einer Musicalproduktion mit. Dieses Jahr ist es „Emelie voll abgehoben“ von Andreas Schmittberger.

Wie schon zuvor bin ich für das Orchesterarrangement zuständig.

Und es fällt mir schwer.

Die Musik an sich ist ok. Und nach Verhandlungen mit dem Verlag hat mein Kollege auch erreicht, dass ich Notendateien bekommen habe und nicht jede Note einzeln eingeben muss, sondern oft nur die Parts in andere Stimmen kopieren muss. Zusätzlich habe ich diesmal auch Einzelstimmen, aus denen ich viel übernehmen kann und eine Tonaufnahme, die mir hilft den Sound abzuschätzen. Auch habe ich einige gute Instrumentalisten, die ich einsetzen kann.

Trotzdem macht es mir keinen Spaß. Ich quäle mich jeden Tag an den Rechner. Und halte es immer nur einige Zeit dort aus. Ich müsste schon viel weiter voran gekommen sein, aber es fällt mir so schwer.

Viel lieber würde ich endlich an meinem eigenen Musical weiter arbeiten. Oder endlich ein Werk für großes Orchester schreiben, für Leute, die ihre Instrumente wirklich beherrschen.

Aber es ist keine Zeit dafür. Unterrichten, die Kinder versorgen, den Haushalt in Schuss halten, andere Familienangelegenheiten regeln, Sport, in der Kirche mitarbeiten und eben Arrangieren – mein Mann kommt zu kurz und die Spielzeit mit den Kindern ist viel zu selten…echter Urlaub wäre auch mal was…

So sieht der Schreibtisch aktuell aus.

 

52 Wochen Klassik – Teil 10

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Zum Karfreitag gibt es ein kammermusikalisches Stück aus der Romantik. Der böhmische Cellist und Komponist David Popper schrieb es für 3 Celli und Klavier. Ich habe selbst schon bei Konzerten die Parts des 1. und 3. Cellos übernommen, aber auch schon das Klavier. Ich liebe das Stück über alles!

Popper widmete das Stück, „Requiem, Op. 66“, einem guten Freund und es wurde auf seiner eigenen Beerdigung 1913 gespielt. Und seit ich dieses Stück kenne, weiß ich, dass ich mir wünsche, dass es auch auf meiner eigenen Beerdigung erklingen soll.

Hier geht es zur vollständigen Apple-Playlist.

 

52 Wochen Klassik – Teil 9

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Verdammt! Beitrag vergessen!

Zur Karwoche gibt es heute etwas Bach. Aus der Kantate „Jesu, der du meine Seele“, BWV 78, habe ich ein Duett ausgesucht. Sopran und Alt kolorieren wundervoll mit- und gegeneinander. Leider habe ich bisher nie die Gelegenheit gefunden, es selbst mal mit einer Altistin zu erarbeiten und aufzuführen und bin mir auch nicht sicher, ob ich es nach Jahren, in denen ich nur ganz selten meinen Gesang geübt habe, überhaupt noch schaffen kann, aber wer weiß?

Die Version, die auf YouTube gefunden habe, finde ich besonders schön, da der Alt von einem Countertenor, also einem Mann, gesungen wird.

Hier geht es zur vollständigen Apple-Playlist.